Pferdeäpfel einsammeln leicht gemacht

Mit nunmehr 10 Einstellern spielt es eine immer größere Rolle, die Stallarbeit effizient und zeitsparend zu organisieren. Deshalb haben wir uns den Tow and Collect Mini 700 zugelegt, einen  Pferdeäpfelsammler mit Kehrbürsten. Für alle, die auch auf der Suche nach einer arbeitserleichternden Maschine sind, möchte ich ihn hier vorstellen.

Der Tow and Collect Mini kann an ein Quad oder PKW angehängt werden. Er funktioniert vom Prinzip her wie eine Kehrmaschine. Die Kehrbürsten werden über die Räder angetrieben, einen Motor hat er nicht. Die Bürsten werfen die Pferdeäpfel nach hinten in den Auffangbehälter. Für den Einsatz auf Wiesen hat der Tow and Collect Zinken vor der Bürste, die man aber nach oben stellen kann, wenn man sie gerade nicht braucht. Dieses Modell kostet 4284,16 Euro plus ca. 240 Euro Fracht.

 

Ein Video von der Maschine im Einsatz gibt´s hier.

 

Bezug

Wir haben die Maschine aus England bezogen, da das vergleichbare Modell eines anderen Herstellers, das es auf dem deutschen Markt gibt, uns nicht so zugesagt hat. Dieses Modell hat uns überzeugt, weil es einachsig ist und die Räder sehr groß und breit sind. Damit ist es sehr stabil und auch am Hang super einsetzbar, weil der Schwerpunkt sehr tief liegt. Für unsere "Bergwiesen" war das sehr wichtig. Der Hersteller heißt "Tow and Farm" und sitzt in Neuseeland, hat aber unter anderem einen Ableger in Großbritannien. Die Leute dort waren sehr nett und hilfsbereit, und einen Super-Service finde ich die Video-Anleitungen für den Aufbau und die Wartungsarbeiten an all ihren Maschinen. Somit ist es nicht mehr so wichtig, eine Werkstatt dieses Händlers vor Ort zu haben.

 

Modell

Der Tow and Collect Mini 700 ist die kleinere Variante der beiden Äpfelsammler dieser Firma. Es gibt auch noch einen größeren Bruder, der motorbetrieben ist und einen größeren Auffangbehälter hat. Wir haben uns für das kleine Modell entschieden, weil wir etwas Schmales wollten, um die Kurven um die Heuraufen herum abzufahren. Dieses Modell hat eine Arbeitsbreite von 70 cm und einen Behälter von 320 Liter Fassungsvermögen. Insgesamt ist es 146 cm breit. Es hat eine ganz normale Anhängerkupplung. Eigentlich empfiehlt der Hersteller dieses Modell für kleinere Betriebe mit bis zu sechs Pferden, aber für uns war es aus oben genannten Gründen die bessere Wahl. Und ein weiterer großer Vorteil der motorlosen Variante: Man verbraucht keinen Sprit! Darüber hinaus ist dieses Modell natürlich günstiger. Allerdings muss man öfter leeren, weil der Auffangbehälter kleiner ist.

Laut Hersteller eignet sich die Maschine durch ihre Bauweise auch für nassen Boden und unebenes Gelände. Das kann ich bestätigen.

 

Handling

Das Handling dieser Maschine ist super einfach. Und das sage ich als wirklich wenig maschinen- und technikbegeisterte Frau :-) Der Tow and Collect ist recht leicht und lässt sich daher gut von einer Person ein kurzes Stück ziehen sowie an- und abhängen. Die Funktionsweise der Kurbeln und der Kupplung ist einfach zu verstehen. Eine Kurbel ist zum Auf- und Zudrehen des Auffangbehälters. So lässt sich der Mini ganz leicht entladen, ohne viel körperliche Anstrengung oder Kraft. Der Mist fällt einfach heraus.

Die zweite Kurbel ist zum Einstellen der Bürsten. Man kann sie in der Höhe verstellen, je nachdem, was für einen Boden man hat. Hier muss man am Anfang ein bisschen rumprobieren, bis man die richtige Einstellung gefunden hat, die alle Pferdeäpfel aufnimmt, aber den Bodenbelag drauf lässt. Das Umstellen geht sehr schnell, was für uns wichtig war, da wir im Paddock Trail verschiedene Böden haben.

Der Auffangbehälter hat Gucklöcher, durch die man den Füllstand sieht. Ist der Mist an den Gucklöchern angelangt, muss man den Behälter leeren, denn die Maschine nimmt nichts mehr auf und verteilt die Pferdeäpfel nur noch.

Gewöhnungsbedürftig fand ich am Anfang das Rangieren. Wenn man mal rückwärts fahren muss, hat man eben einen Hänger hinten dran, der ein Eigenleben hat ;-) Mit etwas Übung geht das aber ganz gut. Besonders leicht macht man es sich mit einem Misthaufen, der von vorne befahrbar ist.

 

Eignung

Für uns war die wichtigste Nutzung dieser Maschine der Bereich um die Heuraufen herum, wo die Pferde sehr viel äpfeln und man bisher in Handarbeit und mit viel Krafteinsatz Gabel für Gabel auf die Ladefläche des Quads hieven musste. Dort liegt Kunstrasen als Bodenbelag. Und nach einigen Wochen können wir sagen: Eigentlich eignet sich der Tow and Collect Mini für diesen Boden. An den geraden Abschnitten sammelt er die Äpfel zuverlässig ein. Aber in den Kurven passiert es immer wieder, dass die Bürsten die Kanten der Kunstrasen-Bahnen erwischen und aufklappen. Um die Raufen müssen wir leider sehr viele Kurven fahren, und dort liegen auch viele kürzere Rasenstücke, die dann aufgeklappt werden. Deswegen schauen wir uns gerade nach Paddockplatten für diese Bereiche um, mit denen es besser gehen müsste.

Ein weiteres Problem ist, dass der Sammler die Randbereiche am Zaun nicht erwischt. Denn natürlich liegen die Räder weiter außen als die Bürsten. Da unsere Pferde sehr viel am Rand entlang äppeln, ist das auch ein Nachteil. Wir müssen diese Stellen weiterhin von Hand abäppeln. Das gleiche gilt für die Äpfel direkt an den Heuraufen, wo wir nicht so nah vorbei fahren können.

Große Haufen von mehreren Pferden auf einem Fleck schafft die Maschine nicht in einem Anlauf. Da muss man mehrmals drüber fahren. Und meist hat man dann die Haufen schon so platt gefahren, dass sie auch nicht mehr gut aufgekehrt werden. Für diesen Zweck ist mit Sicherheit die motorbetriebene Variante die besser geeignete. Der Mini ist gemacht für viele kleine, weit verteilte Haufen.

Trotz all dieser Einschränkungen haben wir mit dem Mini eine Zeitersparnis von ca. einem Drittel erreicht. Es wäre deutlich mehr, wenn wir gar nichts mehr von Hand sammeln müssten, denn: Drüberfahren und ab und zu ausleeren, schneller kann es gar nicht gehen. Und es kostet keine Kraft.

Für die anderen Bereiche unseres Trails ist die Maschine leider nicht geeignet. Die Sandwege können natürlich nicht damit abgesammelt werden, aber man kann drüber fahren, wenn man die Bürsten ganz hoch stellt. Die Schotterwege sind auch schwierig, denn die gröberen Steine im Schotter werden von den Bürsten mitgenommen. Wenn einem das egal ist oder man feineren Schotter hat, funktioniert es trotzdem.

Im Wald müssen wir noch ein paar Wurzeln ausreißen, damit wir mit dem Mini dort fahren können. Dann müsste die Maschine auf dem Naturboden eigentlich ihren Dienst tun.

Auf den Weiden konnten wir sie jetzt im Winter noch nicht testen, sind aber zuversichtlich, dass sie uns da auch enorm viel Zeit erspart.

Die Pferde hatten am Anfang Angst vor dem Tow and Collect. Vor allem deswegen, weil er in den Kurven ein lautes klackendes Geräusch macht durch die Zahnräder. Die Angst hat sich aber mittlerweile verlaufen, was eher nachteilig für uns ist, weil die Pferde nun nicht mehr so schnell aus dem Weg gehen. Denn man sollte mindestens 6 km/h schnell fahren (höchstens 12 km/h), damit die Bürsten zuverlässig einsammeln. Bei Stop and Go zwischen den Pferdehintern ist das manchmal schwierig... Deswegen sperren wir die Pferde auch weg, wenn wir ungestört misten wollen.

 

Fazit

Wir sind froh, diese Maschine gekauft zu haben. Bei den richtigen Gegebenheiten im Stall ist sie der Hammer. Sie punktet bei großen Flächen, auf denen die Pferde weitläufig verteilt koten, weil man zum Abäppeln nicht mal absteigen muss. Sie ist super leicht zu bedienen und fast gar nicht störanfällig, weil sie frei von Elektrik ist. Die Materialen erscheinen sehr robust und stabil. Und selbst wenn die Maschine, wie bei unseren Bedingungen, nicht allzu viel Zeit einspart, spart sie dennoch Schweiß und Körperkraft. Beim Misten in der Fahrerkabine zu sitzen ist doch viel angenehmer als Mist zu schaufeln. Man muss vorher eben genau abwägen, ob sich die Böden im Auslauf eignen für diese Art des Abmistens. Sonst ärgert man sich hinterher nur herum.

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